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Libyen


 

Ein Reisebericht zur totalen Sonnenfinsternis 2006

Wie kommt man auf die Idee nach Libyen in den Urlaub zu fahren? Diese Frage haben wir häufig gehört, wenn wir von unserem Plan erzählten drei Wochen lang mit einer Touaregmannschaft, mit Geländewagen und Zelt in die Libysche Wüste zu reisen.

Nun, Wüstenlandschaften haben uns schon immer interessiert. Schon kurz nach dem Studium bin ich mit einem alten, selbst umgebauten VW-Bus ums Mittelmeer gefahren, über die Küstengebiete von Syrien, Jordanien, Ägypten, Libyen und Tunesien. Da gab es reichlich Wüstenlandschaften zu bestaunen. Später folgten Reisen in die wüstenähnlichen Gebiete der südwestlichen USA. Dies allerdings im komfortablen Wohnmobil. Es folgten längere Touren durch das Outback von Australien, jetzt schon etwas anspruchsvoller mit geländegängigem Fahrzeug und etwas größerer Ausrüstung. Auch kurze Visiten in Namibia und Marokko waren dabei. Eine richtige Wüstentour, teilweise weit von jeder Siedlung entfernt und außerdem noch Schlafen im Zelt oder unter freiem Himmel, das war schon etwas Neues.

Der zweite und eigentlich Grund war die totale Sonnenfinsternis am 29. März 2006. Wir waren1999 zur totalen Sonnenfinsternis nach Süddeutschland gefahren und waren schwer beeindruckt von dem Ereignis obwohl im entscheidenden Moment einige Wolken gegen uns waren und die Krönung des Ereignisses bei zugezogenen Gardinen stattfand. Die nächste Möglichkeit ein solch seltenes Ereignis zu beobachten wäre ein paar Jahre später in Südaustralien gewesen, allerdings auch nur wenige Minuten vor Sonnenuntergang für eine sehr kurze Zeitspanne. Daher verzichteten wir auf die lange Anreise.

Libyen liegt fast vor der Haustür und ist in wenigen Flugstunden zu erreichen, so dachten wir jedenfalls. Dazu kam die Beruhigung der politischen Großwetterlage, Libyen will sich im Kreis der Nationen wieder an die Spielregeln halten und auch das Land für den Tourismus öffnen.

Einen Aspekt fanden wir nach unseren deutschen Sonnenfinsterniserfahrungen besonders interessant, Sahara – Wüste – trocken – Sonne - keine Wolken. Dass es in der zentralen Sahara regnen würde und noch dazu an genau diesem Tag, schien uns doch sehr unwahrscheinlich

Nach längerer Suche im Internet fanden wir dann einige Anbieter solcher Reisen, suchten uns eine passende Tour aus und fragten nach genauen Unterlagen. Eine kleine Reisegruppe mit maximal 14 Teilnehmern, einer deutschen Reiseleitung und eine Tour die überwiegend durch den südlichen Teil des Landes führte. Es war Ende Mai 2005. So lange im Voraus hatten wir noch nie eine Reise gebucht.

Umso größer war unser Erstaunen als man uns mitteilte dass diese Tour bereits ausgebucht wäre. Aber man wäre dabei zu prüfen ob man noch eine zweite Gruppe einrichten könnte.

Drei Wochen später dann die Nachricht, man hätte noch eine zweite Reise organisiert und für uns zwei Plätze reserviert. Da die Anreise mit der Lufthansa direkt nach Tripolis, der Hauptstadt Libyens sehr teuer ist, sie aber gleichzeitig die einzige Fluglinie ist die von Deutschland aus nach Libyen fliegt, würde die Anreise mit Air Berlin von Frankfurt nach Djerba in Tunesien erfolgen, von dort per Bus nach Tripolis. Da wir aus Hamburg kommen, war unsere Vorstellung direkt nach Djerba zu fliegen um sich dort mit den übrigen Teilnehmern zu treffen. Die Organisation dafür klappte auch reibungslos, erste Informationen zu Land und Leuten, Visumformulare und Ausrüstungsempfehlungen und ein genauer Reiseverlauf folgten.

Mitte Januar schickten wir unsere beiden Pässe (bei Ausreise noch mindesten 6 Monate gültig und keine israelischen Stempel) samt Formular, Passfotos und einem Scheck über 150 € an den Veranstalter.

Ende Februar kamen dann die letzten Unterlagen, unsere Pässe mit Visum, Flugbestätigungen, Teilnehmerliste. Letzte Änderung, wir werden in Djerba mit dem Taxi abgeholt, die Reisegruppe selbst fährt schon mit dem Bus voraus um die Grenzabfertigung nach Möglichkeit zu beschleunigen.

Es klappte alles reibungslos. Nach Umsteigen in Nürnberg brachte uns Air Berlin pünktlich um 12.00 Uhr nach Djerba. Die tunesischen Einreiseformalitäten verliefen relativ zügig und vor dem Gebäude wartete bereits unser Taxi. Nach etwa zwei Stunden Fahrt erreichten wir den tunesisch-libyschen Grenzübergang bei Ras Ajdir. Dort trafen wir dann auch auf die Mitreisenden und die Reiseleiterin. Die Abfertigung verlief entsprechend den dort üblichen Gepflogenheiten, es dauert. Viele wichtige Leute wollen schließlich gefragt und beschäftigt werden. Aber es war alles sehr korrekt und freundlich.

Dann auf der Weiterfahrt Besichtigung der Ruinen von Sabratha, eines phönizischen Handelsstützpunktes. Zusammen mit Oea und Leptis Magna der Dreibund, daher heute Tripolis. Ankunft in Tripolis bei Dunkelheit, einfaches Hotel, Besichtigung der Stadt ist für die Rückfahrt geplant. Am nächsten Morgen Ausflug nach Leptis Magma. Wie Sabratha riesige Ruinenfelder, gewaltige Bauten. Man hat dort damals nicht schlecht gelebt, zumindest in den etwas wohlhabenderen Schichten. Aber wegen dieser Sehenswürdigkeiten waren wie nicht gekommen. Wie wollten Wüste und Sand. Am Abend dann Flug nach Sebha. Trotz der vorherigen Warnungen unserer Reiseleiterin, dass Flüge in Libyen eher selten pünktlich sind, oftmals sogar ganz ausfallen, wir hoben pünktlich ab, in einer Boing 727 der Libyen Airlines, die schon mal bessere Zeiten gesehen hatte. Die Maschine war randvoll. Als Verpflegung gab es einen sauren Drops. Dazu muss man sagen dass Inlandsflüge in Libyen sehr preiswert sind. Wir sind in Sehba heil angekommen, weit im Süden des Landes, schon dichter an der nigerschen Grenze als am Mittelmeer. Es war reichlich warm, auch noch bei der Ankunft um Mitternacht.

Übernachtung in kleinen schilfgedeckten Hütten für zwei Personen, WC und Waschgelegenheit im Freien. Es wird ländlicher.

Sebha ist das Verwaltungszentrum der Südsahara. Sie ist aus sieben kleineren Oasen entstanden, daher der Name Sebha = sieben. Die Altstadt ist in einem relativ schlechten Zustand und lohnt eine Besichtigung nicht. Das Problem der Stadt sind die vielen Ausländer aus der Sahelzone die sich meist illegal dort aufhalten. In einem Bezirk sollen über 10.000 hausen, von der Regierung kaum kontrollierbar. Es wird dringend davon abgeraten sich in die Nähe dieser Siedlung zu begeben. Wir besteigen nach dem landestypischen Frühstück einen Bus und begeben uns auf die über 400 km lange Etappe nach Al Awinat. Die Straße ist asphaltiert und in gutem Zustand. Sie führt am Fusse einer riesigen Hochebene entlang, steinige, felsige Landschaft, zeitweise tauchen erste Dünenfelder in der Ferne auf. Die kleinen Ortschaften gleichen Oasen, wenig grün, staubige Straßen, einige Palmenhaine, geschäftiges Treiben vor den Häusern.

Vor dem Ort Al Awinat, treffen wir auf unsere Tuaregmannschaft mit ihren Geländewagen. Von den fünf Toyotas sind allerdings nur vier angekommen. Einer der Fahrer hatte einen schweren Unfall und musste ins Krankenhaus nach Sebha gebracht werden. Es wird auf den Straßen hier auch gerne bei Gegenverkehr überholt. Meist geht es gut und einer fährt weit genug zur Seite, aber eben nicht immer. Nun musste erst einmal ein Ersatzfahrzeug organisiert werden und ein Fahrer der die drei Wochen mit uns fahren will. Das dauert wieder einmal. Wir essen inzwischen in einem einfachen Restaurant. Am späten Nachmittag geht es dann endlich los. Vier Toyotas mit Fahrer für jeweils vier Reisende, dazu noch die Reiseleiterin, ein Assistent und ein Sicherheitsbeauftragter der Regierung, es soll uns schließlich nichts passieren. Dazu kommt ein Küchenwagen mit Fahrer und Koch. Insgesamt sind wir 23 Personen. Über den technischen Zustand der Autos nur soviel, einmal: der deutsche TÜV würde tot umfallen wenn er sie sehen würde, zum anderen: die Reparaturkünste der Fahrer sind fantastisch und sind auch nötig. Wie wir später noch erleben werden zerlegen sie in der Nacht und mitten in den Sanddünen einen Motor und bauen neue Kolbenringe ein. Alles Unwichtige ist aus den Wagen ohnehin entfernt, so zum Beispiel die Klimaanlage, wozu braucht man sie hier auch. Fensterheber müssen auch nicht sein, man schiebt die Scheibe mit der Hand hoch und steckt einen Holzkeil dazwischen. Hinter den Rücksitzen hat man große Zusatztanks für Dieseltreibstoff eingebaut. Aus diesen wird dann mittels Gummischlauch bei Bedarf nachgetankt. Übrigens bekommt man in Libyen für einen Euro etwa 8 Liter Diesel!

Nachdem wir uns geeinigt haben wer mit wem in welchem Auto fährt und die gesamte Ausrüstung und das Gepäck auf den Dächern verstaut haben, setzt sich die Karawane in Bewegung. Noch 20 km Asphaltstraße, dann geht es ab ins Gelände. Zuerst durch steppenartige Ebenen, dann direkt durch die sich auftürmenden Sanddünen. In einem passenden Tal der Dünen von Tetersine wird angehalten. Hier wollen wir heute übernachten, Jeder nimmt sein Gepäck, auf Wunsch auch ein kleines Zelt sowie eine Schlafmatte und sucht sich in der näheren Umgebung ein ruhiges Plätzchen. Einige schon erfahrene Mitreisende verzichten auch auf ein Zelt und legen sich mit ihrem Schlafsack direkt in den Sand, unter den hunderttausend Sterne Himmel. Ein guter Schlafsack ist wichtig denn nachts wird es empfindlich kühl, wie wir noch merken werden, durchaus runter bis 4 Grad.

Die Fahrer und der Koch laden den Küchenwagen ab und bauen die Küche auf. Eine Plane auf dem Sandboden, eine als Windschutz und schon ist die Küche fertig. Gekocht wird mit einem Gaskocher auf dem Boden. Und alles für 23 Personen.

Auch die Mahlzeiten werden auf dem Boden eingenommen. Eine Matte um den Sand wenigstens etwas fernzuhalten, die Schlafmatten zum draufhocken, das ist alles, kein Tisch, keine Bänke oder Stühle. Daran haben wir uns auch in drei Wochen nicht gewöhnen können.

Das Essen selbst? Nun man kann auf einer solchen Tour, teilweise eine Woche lang von jeder Einkaufsmöglichkeit entfernt und ohne jede Kühlmöglichkeit, keine Gourmetküche erwarten. Unter diesem Gesichtspunkt war das Essen schon in Ordnung.

Im Einzelnen: zum Frühstück: Baguette, mal mehr und mal weniger frisch, bis zu hart und sandig, dazu Marmelade, Dattelsirup, verschiedene Sorten Teebeutel und Pulverkaffee

zu Mittag: Salat aus den gerade verfügbaren Gemüsesorten, dazu Tunfisch in Öl aus der Dose. Den gab es nicht nur manchmal, nein den gab es immer, jeden Tag, volle drei Wochen lang. Als Getränk dazu Wasser, je nach Geschmack auch mit Zitronenpulver aromatisierbar

zum Abend, das Hauptessen: als Vorspeise eine warme Suppe dann Reis mit Gemüse und wenn vorhanden Fleischeinlage

oder Nudel mit .......oder Couscous mit ......

frisches Fleisch konnte es natürlich nur 1 – 2 Tage nach einem Einkauf geben, bei den Temperaturen tagsüber war längere Lagerung nicht möglich, danach Obst, frisch oder aus der Dose.

Am 4. Tag geht es dann wieder von vorne los, Reis mit Gemüse usw.

Getränke wie gehabt,

zum Schluss dann immer den landestypischen Tee, aber davon später.

 

Wenn Sie mehr über Libyen oder meine Arbeit wissen möchten, fragen Sie mich.

 

 

  

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